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42. Norddeutsche ADAC-Turniersport-Meisterschaft 2007 in Sehnde (ADAC Niedersachsen / Sachsen-Anhalt)

Abgerechnet wird zum Schluss – ein Drama in vier Akten bzw. Wertungsläufen

Die Norddeutsche ADAC Turniersportmeisterschaft fand am letzten September Wochenende in Sehnde bei Hannover statt. Ausgerichtet und durchgeführt vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt sollte diese Meisterschaft überraschendes, dramatisches und spannendes bieten, wie man es zuvor kaum im Turniersport erlebt hat.

Der erste Schock bot sich den Teilnehmern am Morgen der Veranstaltung beim Blick aus dem Fenster. Es regnete Bindfäden und das Wetter sollte den ganzen Tag über wenig Besserung bringen. Die äußeren Umstände und die allgemeine Nervosität waren dann auch ein Garant für die Dramatik, die dieser Tag noch bringen sollte. Spannung war bis zum Schluss garantiert, da von den vier Läufen jedes Teilnehmers der Bessere der ersten beiden und der dritte und vierte Lauf auf jeden Fall für das Gesamtergebnis zählten.

Bei den Damen waren leider nur sieben Fahrerinnen am Start, die sich dem abwechselungsreichen und schwierig zu fahrenden Parcours stellten. Von Anfang an wurde deutlich, dass der Weg zum Sieg nur über Marianne Brandt aus Schleswig-Holstein und Petra Soczek vom ADAC Regionalclub Weser-Ems führen würde. Letztgenannte hatte durch den Gewinn der Westdeutschen Turniermeisterschaft vor einigen Wochen neue Motivation gesammelt und münzte dieses nach den ersten beiden Läufen zu einer Führung um. Knapp fünf Sekunden dahinter folgte Marianne Brandt. Sie übernahm dann aber trotz eines Fehlers in Lauf drei die Führung von Petra Soczek, die zwei Parcoursfehler machte. Im entscheidenden vierten Lauf legte Petra Soczek dann einen fehlerfreien Lauf in einer sehr guten Zeit von 96 Sekunden nach, musste aber auf einen Fehler von Marianne Brandt im letzten Lauf hoffen, um den Titel bei den Damen doch noch gewinnen zu können. Den Gefallen tat ihr die amtierende Deutsche Meisterin jedoch nicht. Ein fehlerfreier Lauf in einer Fahrzeit von 94 Sekunden reichte zum Sieg und zum erneuten Gewinn des Titels der Norddeutschen Meisterin. Auf den dritten Platz bei den Damen fuhr eine an diesem Tag gut aufgelegte Antje Drümmer vom ADAC Hansa, die von einem Fehler ihrer Widersacherin Melanie Holzkemper, die für den ADAC Gau Ostwestfalen-Lippe startete, im letzten Lauf profitierte.

Spannend ging es auch bei den Herren zu. Im Vorfeld wurden einige Fahrer als Favoriten hoch gehandelt, wie z.B. Siegfried Groth und Thomas Brandt, beide vom ADAC Gau Schleswig-Holstein, Detlef Kopp und Thomas Merk vom ADAC Regionalclub Ostwestfalen-Lippe, Rainer Jordan vom gastgebenden ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Wolfgang Drümmer vom ADAC Hansa und natürlich die Riege der Fahrer aus Weser-Ems in Person von Gerhard Schichter, Kay Kudinow, Wilke Burmester, Manfred Sandersfeld und Stefan Bösewill. Außenseiterchancen konnte man Hans und Fritz Günther mit dem „Trabbi“ aus Berlin-Brandenburg und Kai Wiechert aus Kiel einräumen, der allerdings mit dem Handikap leben musste, nicht mit seinem standesgemäßen Turnierfahrzeug starten zu können. Es sei vorweg genommen, dass kein Fahrer vier fehlerfreie Läufe fuhr. Auf dem besten Wege dahin war nach dem dritten Lauf noch Fritz Günther. Ein Parcoursfehler im letzten Umlauf und Fahrzeiten, die ein paar Sekunden hinter den Schnellsten lagen, reichten am Ende zu Platz 12. Damit war Fritz Günther bester Fahrer des Regionalclubs Berlin-Brandenburg. Direkt hinter ihm reihte sich Hans Günther ein, der im dritten Lauf das Rückwärtsgatter touchierte und damit eine bessere Platzierung vergab. Seinen Heimvorteil nicht nutzen konnte Rainer Jordan. Auf dem VW Polo schnell unterwegs, stand er an diesem Tage mit der Spur und dem Vorwärtsgatter auf Kriegsfuss. Ein Fehler in jedem Lauf bedeutete am Ende trotzdem noch den sechsten Platz. Damit hielt er Manfred Sandersfeld in Schach, der sich ja bei der Westdeutschen Meisterschaft als Zweitplatzierter das Ticket für das Bundesturnier in Sachsen gesichert hatte und eigentlich befreit fahren konnte. Auch hier stand in jedem Lauf ein Fehler zu Buche und am Ende Rang sieben im Gesamtergebnis. Eine positive Überraschung war hingegen Kai Wiechert vom ADAC Gau Schleswig-Holstein. Mit einem erst vor ein paar Tagen gekauften 100 Euro Auto steigerte er sich nach anfänglichen sechs Fehlern deutlich. 2,5 Fehler in Wertung bei drei Läufen dazu schnelle Fahrzeiten und damit war mit Platz fünf ein für diese Verhältnisse optimales Ergebnis erreicht. In die Pokalränge fuhren auch Thomas Merk und Detlef Kopp, beide aus Ostwestfalen-Lippe – Rang neun und zehn am Ende für die Beiden. Dabei hatte Detlef Kopp noch Glück, als er sich im zweiten seiner vier Läufe auf dem Parcours verfuhr, diesen Lauf aber als Streichergebnis werten konnte.

Doch das Drama nahm seinen Lauf:

Teil 1: Wolfgang Drümmer, in den ersten beiden Läufen fehlerfrei und schnell (Fahrzeiten 86 bzw. 76 Sekunden) unterwegs und zwischenzeitlich sogar in Führung liegend, vergibt schon im dritten Lauf alle Chancen auf Platz Eins. Bei der Ausfahrt aus der Wende das Gatter berührt und ein Spurfehler, mit vier Fehlern wirft es ihn zunächst weit zurück. Ein fehlerfreier letzter Lauf bedeutet Schadensbegrenzung und Platz acht im Gesamtergebnis.

Teil 2: Thomas Brandt erwischt einen denkbar ungünstigen Start in das Turnier. Ähnlich wie Detlef Kopp fährt auch er den Rückwärtsslalom im ersten Lauf falsch an und findet sich fast am Ende des Feldes wieder. Trotz des Drucks gelingt dem Spitzenfahrer aus dem hohen Norden die Wiedergutmachung im zweiten Lauf mit nur einem Parcoursfehler und einer für die Wetterverhältnisse noch ganz ordentlichen Zeit. Danach lässt der Polofahrer noch zwei fehlerfreie Runden folgen und katapultiert sich am Ende bis auf Platz drei nach vorne.

Teil 3: Wilke Burmester vom ADAC Weser-Ems kämpft noch um die Qualifikation für das Bundesturnier. Ähnlich wie Thomas Brandt zuvor, verfolgen den Fahrer vom ATC Varel fünf Fehler aus dem ersten Lauf, als er vergisst, das Vorwärtsgatter anzufahren. Drei saubere Nullrunden folgen. Die Fahrtzeiten sind ein wenig langsamer als die der Spitzenfahrer und es bleibt spannend, was diese Leistung am Ende wert ist.

Teil 4: Auf Platz vier vor dem entscheidenden Finallauf liegt Kay Kudinow, der auf Stefan Bösewills Fahrzeug bis dato 0,5 Fehler mit in die Wertung nehmen muss und nach wie vor ebenfalls alle Chancen hat, sich als bester Weser-Ems Fahrer noch für das Bundesfinale in 14 Tagen zu qualifizieren. Bis zum Vorwärtsgatter in seinem letzten Lauf sicher unterwegs wägt sich Kay zu früh in Sicherheit und da ist es passiert: Ein Flüchtigkeitsfehler in der Fahrgasse, gleichbedeutend mit 1,5 Fehlern reicht am Ende zwar noch zu Platz vier, aber es sollte nicht für das Bundesturnier reichen.

Teil 5: Stefan Bösewill, nach dem dritten Lauf noch auf Platz drei gelegen und mit allen Chancen auf den Meistertitel, räumt im Finaldurchgang fast eine komplette Seite der zunächst rückwärts anzufahrenden Fahrgasse ab. 4,5 Fehler am Ende und durchgereicht bis auf Platz elf. Einziger Trost für Stefan: Durch den Gewinn der Jahreswertung im Bereich Weser-Ems ist er für das Bundesturnier in Treuen qualifiziert.

Teil 6: Der alte Mann und … die Norddeutsche Meisterschaft… Siggi Groth hat nach zwei Ein-Fehler-Läufen am Vormittag schon mit der Meisterschaft abgeschlossen, profitiert dann aber vom Pech seiner Mitstreiter und legt zwei fehlerfrei schnelle Läufe nach. Damit liegt er vor dem letzten Starter auf Gesamtrang Eins.

Teil 7: Gerhard Schichter geht als letzter Fahrer auf den Parcours. Gespannte Stille, Kay Kudinow moderiert live per Telefon den Lauf für die Turnierfahrer aus Württemberg am anderen Ende der Leitung. Und dann passiert das Unfassbare: Gerhard fährt statt den Rückwärts- den Vorwärtsslalom an, wird aber durch das entsetzte Schreien der Zuschauer auf seinen Fehler aufmerksam und korrigiert. Die bange Frage lautet: Hat Gerhard das erste Slalomtor schon durchfahren? Niemand vermag das im Augenblick zu beurteilen. Sichtlich geschockt merkt man dem BMW Fahrer an, dass die Konzentration weg ist. Ein Fehler in der Spur und am Ziel die Gewissheit – der Slalom war angefahren und dafür kassiert Gerhard weitere fünf Fehler. Niemand versteht, was hier gerade passiert ist, nur die Ergebnisliste zeigt es schwarz auf weiss: Mit sechs Fehlern im letzten Lauf zurückgefallen bis auf Platz vierzehn und auch die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft vergeben.

Teil 8: Jubel in Schleswig Holstein. Alle drei Meistertitel, sowohl in der Herren- und Damenwertung als auch in der Mannschaftswertung gehen in das „schönste Bundesland der Welt“. Siggi Groth hat es der Jugend wieder einmal gezeigt und wird zum dritten Mal in Folge Norddeutscher Meister. Ebenfalls Jubel bei Wilke Burmester. Er belegt im Gesamtergebnis Platz zwei und sichert sich als dritter Fahrer des ADAC Gaues Weser Ems das Ticket für die deutsche Meisterschaft.

Nichts für schwache Nerven also, diese 42. Norddeutsche Meisterschaft. Abends ist die Anspannung bei fast allen Teilnehmern verflogen und es wird ausgiebig gefeiert. Bei der Siegerehrung erhalten die Bestplatzierten ihre Pokale und aus sicherer Quelle wurde bekannt, dass die letzten Teilnehmer und Gäste (?!?!) die Hotelbar um 04.00 Uhr morgens verlassen haben.

Carsten Winkler
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